In so ziemlich allen PIM (Produktinformationsmanagement) Projekten muss man sich mit dem Klassifizierungssystem auseinandersetzen und dies in die Produktstruktur einbinden. Damit wir auf das Klassifizierungssystem eingehen können, müssen wir erstmal einen kurzen Rundumschlag machen.
Die Produktstruktur – Katalog und oder Sortimente
Ein Produktinformationsmanagement System ist dafür da, um seine Produkte in einem Medienneutralen Zustand zu Pflegen und mit Informationen anzureichen. Dieser Prozess ist ein andauernder Prozess, der “Product Lifecycle”. In diesem kann das Produkt neu angelegt, ergänzt, inaktiv und wieder aktiv geschaltet werden (relativ einfach beschrieben, aber es kann noch viel mehr dahinter stecken).
Diese Produkte werden in der Regel in einem Katalog gepflegt, das im Prinzip einen Datencontainer darstellt, wo Produkte in einer Hierarchischen Struktur sortiert werden. Damit man die Produkte einfacher finden kann, sortiert man beispielsweise Elektronikgeräte in einer anderen Produktkategorie als beispielsweise Sportgeräte.
Eine solche Produktstruktur (mittels Kategorien verwirklicht) kann in beliebiger Tiefer verschachtelt sein, hier ist nur um Vorsicht gebeten, da zu tief verschachtelte Strukturen zu höheren Pflegeaufwand führen kann (Unübersichtlichkeit).
Bei großen Sortimenten oder mehreren Verkaufseinheit (eigene Rechtliche Einheiten mit Shops) muss man die Daten oftmals voneinander trennen.
Hier gibt es verschiedene Ansätze wie man die Produkte trennen kann:
- Mehrere Kataloge anlegen und eigene Strukturen aufbauen
- Ein Master-Katalog und logische Sortimente

Produktstrukturen mit mehreren Katalogen oder Sortimenten
Was ist eigentlich eine (Technische) Klassifikation?
Abhängig vom Datenmodell kann man in den bereits vorhandenen Produktstrukturen diverse Informationen eines Produktes pflegen bzw. definieren. Diese “festen” Produktinformationen, ich nenne sie auch gerne “Stammdaten”, beziehen sich häufig auf Informationen wie:
- Produktnummer
- Produktname
- Beschreibung
- Bilder
- EAN
- Verpackungseinheit
- etc.
Es gibt noch vieles mehr, auch individuelle Informationen (Marketing, Kundenartikelnummer etc.), die im Datenmodell spezifiziert werden muss.
Neben diesen Stammdaten gibt es aber auch Informationen, die dynamischer sind, dazu zählen bspw. Technische Ausprägungen oder allgemeine Merkmale.
Dazu gehören Beispielsweise:
- Abmessungen (Höhe, Tiefe, Breite etc.)
- Farbe (Rot, Blaut, Gelb)
- Größe (S, M, L, XL etc.)
- Auflösung (2 Mpixel, 7 Mpixel etc.)
- Spannung (in Volt)
- Getriebe (Automatik, Schaltung, DSG etc.)
Es gibt hier eine Vielzahl an Variationen, die Gemeinsamkeit ist jedoch, dass dies Merkmale bzw. Attribute von Produkten sind, die nicht auf jedes Produkt unbedingt zutrifft.
Oben im Datenmodell, sprich den Stammdaten, definiert man Produktinformationen die ein jedes Produkt beinhaltet, die Merkmale sind sehr Produktspezifisch. Merkmale wie Spannung oder Auflösung wären an einem Kleidungsprodukt deplaziert und würde die Produktpflege nur behindern, da dies die Informationen am Produkt nur unnötig aufbläht. Deswegen definiert man für die Produktstruktur eine passende Klassifikationsstruktur.
Definition einer Klassifikation
Analog zu der Produktstruktur definiert man auch eine Klassifikationsstruktur, nur werden hier in der Regel keine Produkte gepflegt, sondern die Merkmale/Attribute. Auch hierfür kann man eine Kategorienstruktur in beliebiger Tiefe definieren, in der auf jeder Ebene bestimmte Merkmale eingehängt werden. In Enterprise PIM Lösungen existiert in der Regel auch eine Vererbungslogik, die dazu führt, dass Merkmale von oben nach unten in die Ebenen vererbt werden.
Wie funktioniert das?
Wenn wir nun Spannung und Abmessung in der ersten Kategorie einhängen plus eine Unterkategorie, die wiederum auch zwei Merkmale besitzt, beispielsweise Auflösung und Filter, dann würde die Unterkategorie die Merkmale der darüber liegenden Kategorie vererbt bekommen, so dass sich die Merkmale auf vier ganze Merkmale erhöht. Automatisch!

Klassifikationsstruktur
Zum Vergleich: Einfache PIM Lösungen besitzen oftmals nicht die Möglichkeit, solche Strukturen mit Logiken zu versehen. Hier werden die Merkmale i.d.R. direkt am Produkt zugewiesen, was etwas unflexibel ist.
Tipp: Bei der Definition einer Klassifikation empfehle ich nicht mehr als 3-4 Hierarchieebenen zu nutzen.
Die Merkmale
Die Merkmale selbst werden als “Objekte” angelegt, die im Prinzip als “Rümpfe” dienen. Da diese mehrfach verwendet werden (an mehreren Produkten), dürfen diese auch keine Merkmalswerte beinhalten.
Die richtigen Merkmalswerte werden erst am Produkt definiert, beispielsweise:
- Auflösung: 2.0 Mpixel
- Spannung: 240 V
- Farbe: Rot
Der erste Wert ist der Merkmalsrumpf und der zweite ist der Merkmalswert, der am Produkt definiert wurde. So können Produkte über generische Merkmale verschiedene Ausprägungen besitzen. Deutlich wird es gerade beim Ausgabekanal “Shop”, wo oftmals eine “Facettensuche” über Merkmale aufgebaut wird, damit der Kunde neben der “Volltextsuche” seine Eingaben weiter einschränken kann. Wie ein Mehrfachfilter, der am Ende im optimalsten Fall das Produkt ausgibt, was der Kunde sucht.

Facettennavigation
Wie kommen die Merkmale zum Produkt?
Nun, man muss letztendlich die Merkmalsstruktur mit der Produktstruktur “verheiraten”. Dies passiert oftmals über eine Zuordnung zwischen den beiden Strukturen. Gute PIM Lösungen (Heiler oder Hybris) unterstützen das in einer sehr flexiblen Form, nämlich auf jeder Ebenenstufe und mit mehrfachen Relationen.
Hierbei gibt es auch noch Unterschiede. Man kann häufig entweder eine Gesamte Klassifikationskategorie einem Produkt oder einer Produktkategorie zuweisen. Alle Merkmale (direkte und indirekte – vererbte) werden den darunterliegenden Produkten zugewiesen und lassen sich befüllen.
Dem Elektroniksortiment würde man eine andere Klassifikationskategorie zuweisen, als beispielsweise den Sportartikeln.

Produktstruktur und Klassifikation
Der Vorteil eines solchen System ist, dass alle Merkmale dynamisch den Produkten durch die Verknüpfung zugewiesen wird. Im Laufe eines Produktlebenszyklus können so auch neue Merkmale hinzukommen, die ohne ein Klassifikationssystem viel Arbeit verursachen würden (Zuweisung des neuen Merkmals zu allen benötigten Produkten). Mit einem Klassifikationssystem definiert man den Merkmalsrumpf in der gewünschten Klassifikationsstruktur und dieser wird automatisch allen Produkten zugewiesen.
Fazit
Der Vorteil eines Enterprise PIM Systems liegt klar auf der Hand. Es ist eine Bereicherung bei der Produktpflege und auch bei veränderten Bedingungen (Neue Sortimente, Ausgabekanäle, Pflegeprozesse etc.) flexibel genug, um auf die Bedürfnisse angepasst zu werden.